Chess 960
Springer St. Tönis

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Chess 960
 
20.05.2004
 

Was ist Chess960?

Beim Chess960 oder Fischer Random Chess (FRC) gelten die gleichen Regeln wie beim traditionellen Schach - mit zwei Ausnahmen: die Stellung der Offiziere auf den Grundreihen wird ausgelost und das Rochaderecht wurde den neuen Bedingungen angepasst. Eine Chess960 Grundstellung könnte wie folgt aussehen:

Eine Chess960 Grundstellung

Was ist der Unterschied zwischen Chess960 und Shuffle-Schach?

Beim Shuffle-Schach (Shuffle = mischen) ist jede mögliche Kombination der Offiziere auf der Grundreihe erlaubt. Das sind 8! = 40320 Stellungen. Die sind jedoch nicht alle verschieden, schließlich sind die Springer nicht unterscheidbar, ebensowenig wie Läufer oder Türme. Das heißt es gibt 8 verschiedene Möglichkeiten eine Stellung zu erreichen, so dass sich die Zahl der verschiedenen Grundpositionen beim Shuffle Schach auf 5040 reduziert. Beim Chess960 gibt es jedoch weitere Einschränkungen: Die Läufer müssen auf Feldern verschiedener Farbe stehen, ein Turm muss rechts vom König stehen, der andere Turm muss links vom König stehen (um die Rochade zu ermöglichen). Dadurch reduziert sich die Zahl der möglichen Grundpositionen auf 960! Man kann die Zahl der möglichen Grundstellungen errechnen, indem man versucht eine legale Grundstellung zu konstruieren:
  • Positioniere die beiden Läufer auf Felder unterschiedlicher Farbe. Für jeden Läufer gibt es 4 mögliche Felder.
  • Positioniere die Dame auf eines der 6 verbleibenden leeren Felder.
  • Positioniere den ersten Springer auf eines der 5 verbleibenden Felder.
  • Positioniere den zweiten Springer auf eines der 4 verbleibenden Felder.
  • Positioniere einen Turm auf das erste leere Feld (beginnend mit der a-Linie), den König auf das nächste leere Feld und den zweiten Turm auf das letzte leere Feld.
Diese Vorgehensweise ergibt 4 x 4 x 6 x 5 x 4 (x1) = 1920 verschiedene Stellungen. Da es jedoch unerheblich ist, welchen Springer man als ersten platziert und welchen Springer als zweiten, ist in den 1920 jede Stellung zweimal enthalten, also 1920 : 2 = 960 - et voilà!

Die Chess960 Regeln

Mit Ausnahme der Grundstellung der Offiziere und der Rochademöglichkeit gelten die allgemeinen Schachregeln. Um eine Chess960 Partie zu spielen wird zunächst die Grundstellung der Offiziere ermittelt (z.B. durch den oben beschriebenen Algorithmus mit Hilfe eines Würfels oder mit Hilfe eines entsprechenden Computer Programms). Die ermittelte Grundstellung gilt sowohl für die weißen als auch die schwarzen Steine.

Das Rochaderecht unterscheidet sich eigentlich auch nicht wesentlich von der Rochade im traditionellen Schach. Die Rochade ist erlaubt wenn

  • der König und der entsprechende Turm noch nicht gezogen haben.
  • sich zwischen König und dem entsprechenden Turm keine Figur befindet.
  • der König nicht im Schach steht
  • kein Feld, über welches der König ziehen muss, von einer gegnerischen Figur bedroht wird.
Soweit stimmt die Regel mit der "normalen" Rochaderegel überein. Im Chess960 kommen jedoch zwei Bedingungen hinzu:
  • Bei der Rochade kann keine Figur geschlagen werden.
  • Es kann bei der Rochade keine Figur übersprungen werden (mit der Ausnahme, dass König und Turm einander wie gewohnt überspringen können).
Bei der a-Rochade ("langer Rochade") landet der König wie gewohnt auf c1(c8) und der Turm auf d1(d8). Bei der h-Rochade landet der König wie gewohnt auf g1(g8) und der Turm auf f1(f8).

Rochade Moeglichkeiten

Anhand dieser Stellung möchte ich einige Rochademöglichkeiten demonstrieren (dabei vernachlässige ich, dass Könige und Türme schon gezogen haben, denn sonst müssten Könige und Türme von Schwarz und Weiß auf den gleichen Linien stehen).

  • Weiß kann zur a-Seite rochieren. Da der Turm schon auf dem richtigen Zielfeld steht, wird einfach der weiße König nach c1 bewegt. Es ist zu beachten dass hier Figuren auf a1 und b1 stehen, was bei der langen Rochade des traditionellen Schachs nicht möglich ist.
  • Weiß kann zur h-Seite rochieren und tauscht einfach die Plätze von g-Turm und König.
  • Schwarz kann NICHT zur a-Seite rochieren, da dabei der Springer auf e8 übersprungen werden müsste. Zieht dieser jedoch weg, wäre die a-Rochade möglich und der Turm von f8 würde nach d8 gestellt und der König nach c8.
  • Schwarz kann auch nicht zur h-Seite rochieren, da sein h-Turm seinen f-Turm dann schlagen würde. Zieht der f-Turm jedoch weg, wäre die h-Rochade möglich und der Turm h8 würde nach f8 gestellt werden.
Es ist empfehlenswert einen Rochadezug immer anzukündigen (z.B. "ich rochiere zur a-Seite"), da die Möglichkeiten am Anfang immer etwas verwirrend sind.

(Druckversion )

 
Roland Nepsen